Über die Hälfte der ehrenamtlich Tätigen (52 Prozent) kennt bereits heute das Gefühl, mit dem eigenen Engagement Aufgaben zu übernehmen, die eigentlich staatliche Stellen leisten sollten. Besonders ausgeprägt ist dieses Gefühl bei jüngeren Engagierten zwischen 18 und 24 Jahren. Ein Zustand, der sich in den kommenden Jahren weiter verschärfen dürfte: 57 Prozent der Befragten erwarten, dass beispielsweise soziale Leistungen, die der Staat finanziert, in den kommenden zwei Jahren eher eingeschränkt als ausgebaut werden. 81 Prozent befürchten, dass mit rückläufigen staatlichen Leistungen und Strukturen der Druck auf Ehrenamtliche weiter steigt, um entstehende Lücken zu schließen.
Martin Schelleis, Präsident des Malteser Hilfsdienstes, sagt dazu: „Diese Zahlen sind ein Weckruf für die Politik. Angesichts des Rückzugs des Staates aus vielen Aufgaben muss klar sein: Ehrenamt ist kein Sparmodell, darf nicht zum Lückenbüßer des Staates werden und staatliche Pflichtaufgaben ersetzen. Das Ehrenamt ist ein zentraler Baustein für den gesellschaftlichen Zusammenhalt und ein tragender Bestandteil gesellschaftlicher Widerstandsfähigkeit nicht nur in Krisensituationen. Daher möchten wir das Ehrenamt stärken. Aber auch der Staat muss hierzu einen deutlich besseren Rahmen schaffen.”
Ehrenamtliche fordern verlässliche Rahmenbedingungen – sonst droht Überlastung
82 Prozent der Befragten sind sich einig: Ehrenamt kann professionelle Strukturen sinnvoll ergänzen, aber nicht ersetzen. Dazu fordern die Befragten eine bessere staatliche Förderung des Ehrenamts sowie eine klare Rollen- und Aufgabenverteilung, damit Engagierte nicht überlastet werden. Konkret nennen die Befragten als Voraussetzungen für eigenes Engagement die Erstattung entstandener Kosten (30 Prozent), zeitliche Flexibilität (28 Prozent), Vorteile bei der Altersvorsorge (27 Prozent), gute Schulungsangebote (23 Prozent) und weniger Bürokratie (22 Prozent). Unter entsprechend verbesserten Rahmenbedingungen würden sich 41 Prozent der Befragten erstmals, erneut oder stärker ehrenamtlich engagieren – besonders hoch wäre die Bereitschaft bei den unter 35-Jährigen.
Martin Schelleis, Präsident des Malteser Hilfsdienstes: „Der aktuelle Ehrenamtsmonitor zeigt: Sehr viel mehr Menschen wären bereit, sich ehrenamtlich in sozialen Diensten oder im Bevölkerungsschutz zu engagieren, wenn die Rahmenbedingungen stimmen. Wer Ehrenamt stärken will, muss zuallererst notwendige staatliche Leistungen verlässlich finanzieren und bürgerschaftliches Engagement nicht über Gebühr belasten. Was Ehrenamtliche in Deutschland jetzt brauchen, sind Respekt und Wertschätzung für ihren Einsatz. Das muss sich für diese Helfenden auch genauso anfühlen: Zum Beispiel müssen ehrenamtliche Sanitätspersonen ihren Arbeitsplatz umgehend verlassen dürfen, um bei großen Notfällen zu helfen, und deren Arbeitgeber deren Lohn erstattet bekommen. Ausrüstung und Schulungen müssen finanziert und finanzielle Aufwände der Ehrenamtlichen unkompliziert erstattet werden. Nur so wird es uns in Deutschland gelingen, freiwillige Kräfte zu binden und neu zu gewinnen.
Über den Malteser Ehrenamtsmonitor
Der Malteser Ehrenamtsmonitor erhebt regelmäßig repräsentative Daten zu Engagement, Erwartungen und Rahmenbedingungen des Ehrenamts in Deutschland. Für die elfte Erhebung wurden vom 22. bis 24. Juli 2026 insgesamt 2.057 Personen ab 18 Jahren befragt; die Umfrage ist repräsentativ nach Alter, Geschlecht und Religion.
Weitere Information zum aktuellen Ehrenamtsmonitor: https://www.malteser.de/ehrenamtsmonitor.html