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Malteser Region Baden-Württemberg

Erstorientierungskurse für Geflüchtete in Baden-Württemberg: Erstes Vernetzungstreffen der Dozenten in Karlsruhe (Kopie 1)

"Auf die Menschen zugehen und sie mitnehmen"

28.02.2018
Rund 50 Lehrkräfte von Erstorientierungskursen für Geflüchtete waren zum ersten Vernetzungstreffen nach Karlsruhe gekommen. Foto: Malteser
Vernetzung sowie Erfahrungs- und Gedankenaustausch standen im Mittelpunkt des Treffens. Hierfür hatten die Teilnehmer zahlreiche Fragen und Themen mitgebracht. Foto: Malteser
Kerstin Fuhrmann (Mitte) leitet für die Malteser in Konstanz Erstorientierungskurse für Geflüchtete. Der Austausch mit den anderen Dozenten in kleineren und größeren Gesprächsgruppen war für alle sehr hilfreich. Foto: Malteser
Erstorientierung ganz konkret: Mit Fahrrädern können sich die Geflüchteten besser in der Stadt bewegen. Kerstin Fuhrmann erklärt ihnen, worauf sie im Straßenverkehr besonders achten müssen. Foto: Malteser Konstanz

Karlsruhe. Es war eine gelungene Premiere: Zum ersten Mal kamen rund 50 Dozentinnen und Dozenten der vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) geförderten Erstorientierungskurse für Geflüchtete in Baden-Württemberg samt ihrer Koordinatoren im Bonifatiushaus in Karlsruhe zu einem Vernetzungstreffen zusammen. „Mit dieser großen Resonanz hätten wir nicht gerechnet“, freute sich Lea Engisch, die im Trägerverbund aller beteiligten Hilfsorganisationen die landesweite Koordination und Organisation des Treffens übernommen hatte. Zum Trägerverbund gehören der Freundeskreis Asyl Karlsruhe, der Malteser Hilfsdienst, die DAA Baden-Württemberg, Neue Arbeit Ulm, das DRK Heidelberg und die Liga der freien Wohlfahrtspflege, vertreten durch das Diakonische Werk Freiburg und die Caritas Karlsruhe.

„Ich bin gespannt zu hören, wie die anderen ihre Kurse gestalten und mit welchen Materialien sie arbeiten“, freute sich auch Kerstin Fuhrmann auf den Erfahrungs- und Gedankenaustausch. Bereits um 6 Uhr früh war sie in Konstanz aufgebrochen, wo sie seit Sommer 2017 für die Malteser Erstorientierungskurse (EOK) für Geflüchtete leitet. „Besonders wichtig ist es, auf die Menschen zuzugehen und sie mitzunehmen“, lautet ihr Fazit nach ihrem ersten Kurs mit 300 Unterrichtseinheiten, den sie gerade abgeschlossen hat. „In meinem Kurs waren 20 Teilnehmer aus sechs Gemeinschaftsunterkünften, vor allem junge Männer aus Gambia, Nigeria, Eritrea, Syrien, Pakistan und Afghanistan“, erzählt sie. „Trotz der unterschiedlichen Herkunftsländer, Kulturen und Religionen gab es keine internen Differenzen, sondern es entstand im Laufe des Kurses ein gutes Gemeinschaftsgefühl“, betont Fuhrmann. „Alle waren hoch motiviert und wollten nicht nur Deutsch lernen, sondern auch viel über den Alltag in Deutschland erfahren“, so Fuhrmann. Zu diesem Zweck organisierte sie auch mehrere Exkursionen, zum Beispiel zur Feuerwache, in die Stadtbücherei, ins Münster, auf den Markt, zu den Entsorgungsbetrieben oder sogar mit Bus und Fähre nach Meersburg.

Eine besondere Herausforderung stellte für die meisten Lehrkräfte die große Heterogenität der Teilnehmer dar: „Fast die Hälfte in meinem Kurs waren Analphabeten. Während manche Afghanen noch nicht einmal in Dari schreiben konnten, ging es für einige Afrikaner fast zu langsam voran“, berichtet Fuhrmann. „Der Unterricht erfolgte zum Großteil mit Bildern und Fotos. Vermittelt wurden neben landes- und ortstypischem Wissen insbesondere einfache Deutschkenntnisse für den Alltag“, erklärt sie. 

Der Umgang mit unterschiedlichen Kulturen, mit Kindern, die zum Unterricht mitgebracht werden dürfen, damit Mütter nicht ausgeschlossen sind, oder mit Menschen, die aufgrund ihres unsicheren Aufenthaltsstatus in Deutschland in eine Krise geraten, beschäftigten die Lehrkräfte. Auch praktische Fragen hinsichtlich der Auswahl der Lehrmittel, der Übernahme von Fahrtkosten für Teilnehmer und deren Versicherung bei Exkursionen bis hin zum Impfschutz wurden lebhaft diskutiert. „Der Austausch mit den anderen Dozenten war sehr hilfreich, da man an-sonsten ja vor Ort oft als ‚Einzelkämpfer‘ unterwegs ist“, so Fuhrmann zum Abschluss des Tages. „Ich habe wertvolle Tipps für den Unterricht bekommen, aber auch gesehen, dass die anderen Lehrkräfte mit den gleichen Problemen kämpfen.“

Hintergrund:
Die Malteser betreuen seit Sommer 2017 an 16 Standorten und Unterkünften in 13 Landkreisen Baden-Württembergs so genannte Erstorientierungskurse, um Asylbewerbern Wissen und Deutschkenntnisse zu vermitteln, die sie benötigen, um sich im Alltag zurechtzufinden. Im ersten Zyklus nahmen 245 Männer und 128 Frauen an diesen Kursen teil. Die vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge geförderten Kurse richten sich an erster Linie an Personen mit unklarer Bleibeperspektive, die nicht aus sicheren Herkunftsländern stammen. Bis Juni 2018 werden die Malteser in Zusammenarbeit mit den örtlichen Landratsämtern und Sozialdiensten weitere Kurse anbieten.

Achtung Redaktionen:
Gerne vermitteln wir Interviews mit den Koordinatoren und Dozenten unserer Erstorientierungskurse.
Vermittlung: Petra Ipp-Zavazal, Tel. 0171 / 3105279, Email: presse.bw(at)malteser(dot)org, und Julia Buckenmaier, Tel. 0761/4552521, Email: julia.buckenmaier(at)malteser(dot)org

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