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Malteser Region Baden-Württemberg

Nach Modellprojekt: Malteser weiten Erstorientierungskurse landesweit aus

Praxisnahes Alltagswissen für Geflüchtete

29.08.2017
Nach zwei erfolgreichen Modellprojekten in Stuttgart und Freiburg werden die Malteser in den kommenden Monaten in 20 Flüchtlingsunterkünften in Baden-Württemberg Kurse zur Erstorientierung und Wertevermittlung anbieten. Foto: Malteser
Die vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge geförderten Kurse vermitteln vielfältige Kenntnisse, die den Geflüchteten ihren Alltag in Deutschland erleichtern sollen. Foto: Malteser
Teilnehmer und Teilnehmerinnen eines Erstorientierungskurses in Stuttgart mit ihrer Dozentin. Foto: Malteser

Stuttgart. Nach einer erfolgreich abgeschlossenen Modellprojektphase in zwei Gemeinschaftsunterkünften in Stuttgart und Freiburg weiten die Malteser in Baden-Württemberg ihre Kurse zur Erstorientierung und Wertevermittlung für Geflüchtete seit Juli 2017 landesweit aus. Nach derzeitigen Planungen werden sie bis Juni 2018 schrittweise und in Abstimmung mit den jeweiligen Landkreisen an 20 Standorten und Unterkünften in Baden-Württemberg insgesamt 31 Kurse anbieten und Asylbewerbern Wissen und Deutschkenntnisse vermitteln, die sie benötigen, um sich im Alltag zurechtzufinden. Die vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge geförderten Kurse richten sich in erster Linie an Personen mit unklarer Bleibeperspektive, die nicht aus sicheren Herkunftsländern stammen. Für diese Zielgruppe gab es bisher kein bundesweit einheitliches Orientierungsangebot.

“Wir sind davon überzeugt, dass diese Erstorientierungskurse einen wichtigen Beitrag zur Integration geflüchteter Menschen in die deutsche Gesellschaft leisten, und tragen daher gerne weiter aktiv zu deren Umsetzung bei“, erklärt Klaus Weber, Malteser Regionalgeschäftsführer in Baden-Württemberg. In zwei Zyklen mit jeweils 300 Unterrichtseinheiten behandeln die Kurse Themen wie Gesundheit, Arbeit, Einkauf, Wohnen, Sitten und Gebräuche sowie Werte und Regeln des Zusammenlebens in Deutschland. Ergänzt wird der Unterricht um Exkursionen zu Behörden, auf den Markt oder in eine Bibliothek. Da der Unterricht auf Deutsch erfolgt, können die Teilnehmer auch ihre Deutschkenntnisse wesentlich verbessern. „Deutsch und Orientierungskurse gibt es in den von uns bundesweit betreuten Einrichtungen schon seit vielen Jahren. Doch mit dem neuen Angebot der Erstorientierungskurse ermöglichen wir den Teilnehmenden frühzeitiger und umfänglicher erste Schritte in unsere Gesellschaft und geben ihnen wichtige Informationen an die Hand, die sie für ihre Zeit in Deutschland benötigen“, so Weber. Es ist geplant, dass bis zu zehn ehrenamtliche Bildungspaten die Lehrkräfte an jedem Standort unterstützen und helfen, das heterogene Bildungsniveau in den Kursen aufzufangen.

Modellprojekte hatten die Malteser bereits zwischen September 2016 und Januar 2017 sowie zwischen Februar und Juni 2017 bundesweit erfolgreich durchgeführt. Allein in der zweiten Modellprojektphase besuchten 748 Teilnehmer aus 40 verschiedenen Herkunftsländern die bundesweit an 22 Standorten angebotenen Erstorientierungskurse. Besonders erfreulich waren dabei die hohe Motivation und die Teilnahme von Frauen an den Kursen. Im Regelbetrieb sind die Kurse nun deutschlandweit an rund 800 Standorten geplant; Träger der Kurse sind neben dem Malteser Hilfsdienst auch die LIGA der Wohlfahrtsverbände und die Deutsche Angestellten-Akademie.

Achtung Redaktionen:
In Baden-Württemberg planen die Malteser an folgenden Standorten Kurse zur Erstorientierung und Wertevermittlung: Bad Säckingen, Bruchsal, Eschbach, LK Esslingen (Nürtingen und Aichtal), Freiburg, LK Göppingen, Hohberg, Konstanz, LK Ludwigsburg (Kornwestheim), Maulburg, Meißenheim, Müllheim, Neuenburg, Stockach, Stuttgart (Neugereut, Stockach und Münster), LK Tübingen und Wiesloch

Interessierte Redaktionen sind nach Absprache herzlich zur Teilnahme an einer Unterrichtseinheit oder Exkursion eingeladen. Gerne vermitteln wir auch Interviews mit den jeweiligen Malteser Koordinatoren vor Ort. Vermittlung: Tel. (0171) 310 5279, E-Mail: presse.bw(at)malteser(dot)org

Hintergrund: Das Konzept
Die Kurse basieren auf dem Konzept „Erstorientierung und Deutsch lernen für Asylbewerber“, die das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge in Zusammenarbeit mit dem Bayerischen Staatsministerium für Arbeit und Soziales, Familie und Integration entwickelt hat. Die Unterrichtsmodule beschäftigen sich mit Themen, die für den Alltag von Flüchtlingen in Deutschland relevant sind:
- Werte und Zusammenleben
- Alltag in Deutschland
- Arbeit
- Einkaufen
- Gesundheit/medizinische Versorgung
- Kindergarten/Schule
- Mediennutzung in Deutschland
- Orientierung vor Ort/Verkehr/Mobilität
- Sitten und Gebräuche in Deutschland/lokale Besonderheiten
- Sprechen über sich und andere Personen/soziale Kontakte
- Wohnen
Jeweils sechs Module werden von der Lehrkraft je nach Interessen und Wünschen der Teilnehmenden ausgewählt. Das Modul „Werte und Zusammenleben“ ist verpflichtend. Hier lernen die Teilnehmenden unter anderem, welche Grundwerte das Leben in Deutschland bestimmen und wie sich diese im Alltag gestalten.

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